Karl Löhle:
Einer davon war Karl Löhle (1903 -1957). Er war ein deutscher Gegner des Nationalsozialismus, SPD-Politiker und von 1947 bis 1952 Abgeordneter im Badischen Landtag. Zwischen 1945 und 1946 war er Bürgermeister von Überlingen, anschließend Gemeinderat und erster Beigeordneter des Bürgermeisters von Überlingen.

Karl Löhle wurde 1903 in Überlingen geboren. Er lebte und arbeitete in der Stadt in seinem Elternhaus in der Franziskanerstraße. Löhle war gelernter Metzgermeister und übte diesen Beruf außerhalb seiner politischen Tätigkeit immer aus.

Seit Beginn der NS-Zeit äußerte sich Karl Löhle kritisch über Hitler und den Nationalsozialismus. Er wurde als „pazifistischer Fanatiker“ bezeichnet und mehrfach in „Schutzhaft“ genommen bzw. festgenommen. Als „wehrunwürdig“ wurde er nicht zur Wehrmacht eingezogen.

Als im Gewann Simmelbrunnen nördlich von Überlingen im Herbst 1944 das KZ-Außenlager Überlingen-Aufkirch als Außenlager des KZ Dachau eingerichtet wurde, belieferte die Metzgerei Löhle die Lagerküche. Löhle nutzte dies, um den Häftlingen Lebensmittel und Medikamente zukommen zu lassen, mit ihnen zu sprechen und für sie Briefe weiterzuleiten.

Einer dieser Häftlinge war Adam Puntschart, der im März 1945 zusammen mit Wassili Sklarenko in die Schweiz flüchten konnte. Puntschart kehrte im Juni 1945 über die Schweizer Grenze bei Rielasingen nach Deutschland zurück und verbrachte den Sommer 1945 in Überlingen.
Er lebte und arbeitete bei der Familie Löhle, zu der er schon in der Zeit der Haft Kontakt herstellen konnte. Karl und Maria Löhle hatten eine Metzgerei in der Überlinger Franziskanerstraße und in dieser Metzgerei holten die Häftlinge Fleisch und Wurst für das Lager. Trotz der Bewachung konnten sie dabei mit der Metzgersfamilie sprechen, die unter großer Gefahr die Häftlinge unterstützte.