Wassiliy Sklarenko:
Einer der bemerkenswertesten Zeugen des Stollenbaus In der Ukraine starb der ehemalige KZ-Häftling Wassili Sklarenko - Bei einem Besuch in den 90-ern die Zerstörung des Birnauer KZ-Friedhofs miterlebt Überlingen

Wassili Sklarenko, einer der letzten Überlebenden des KZ-Außenlagers in Überlingen, ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist er in seinem Heimatdorf Iwankowitschi bereits am 15. November 2003 gestorben. Nach seinem jüngsten Besuch in der Ukraine hatte der Überlinger Wolfgang Schindele einen seiner Freunde, der auch sein Fahrer in Kiew ist, in das Dorf südlich der Hauptstadt geschickt, um sich nach Wassili Sklarenko zu erkundigen. Schindele hilft seit Jahren den Ärmsten der Armen in der Ukraine, den Waisenkindern, hilflosen und einsamen alten Menschen, und er hat ein Netz von Helfern in Deutschland und in der Ukraine aufgebaut.

Der Fahrer Alexander Bolkin musste nun in Iwankowitschi von der Witwe Maria Sklarenko erfahren, dass ihr Mann bereits vor zehn Monaten verstorben war.
Wassili Sklarenko war am 23. Juli 1923 geboren worden, geriet als junger Mensch in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er aber nach Hause floh. Danach wurde er wieder verhaftet und kam in das Konzentrationslager Dachau. Von dort aus wurde er ins KZ-Außenkommando Aufkirch bei Überlingen gebracht und musste beim Bau der Goldbacher Stollen arbeiten.

Im März 1945 gelang ihm zusammen mit Adam Puntschart die spektakuläre Flucht aus dem Stollen, versteckt in einer Lore. Beide Ausbrecher erreichten in Schaffhausen die Schweiz und überlebten. Sklarenko kehrte nach dem Krieg in die Sowjetunion zurück und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Landarbeiter und Kraftfahrer in der Kolchose seines Heimatdorfes.
Erst 1991 kam ein Kontakt mit ihm zustande, und ein halbes Jahrhundert nach seinem ersten Aufenthalt am Bodensee kam Wassili Sklarenko noch zwei Mal nach Überlingen, in den Jahren 1992 und 1997, auf Einladung von Oswald Burger und des Vereins "Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen". Am 23. Oktober 1992 konnte er die deutsch-schweizerische Grenze legal überschreiten und wurde vom Schaffhauser Kantonsrat Ernst Neukomm empfangen. Leider erlebte Wassili Sklarenko auch die Zerstörung des KZ-Friedhofs bei Birnau mit, auf dem viele seiner Kameraden bestattet sind.

Bei seinen beiden Besuchen in Überlingen erlebte Sklarenko, der von seinem Schwiegersohn begleitet wurde, zahlreiche herzliche Begegnungen, und die Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse vor fünf Jahrzehnten konnten überlagert werden durch neu entstehende Freundschaften.
Oswald Burger war auch bei der Familie Sklarenko in Iwankowitschi zu Besuch, unter anderem, um mit Wassili Sklarenko den gemeinsamen Geburtstag zu feiern. Nachdem der briefliche Kontakt abgebrochen war, hatte Wolfgang Schindele nun seinen Freund informiert, und der konnte nur die traurigen Nachrichten überbringen, dass Wassili Sklarenko bereits im vergangenen Herbst im Alter von 80 Jahren gestorben und dass seine Witwe Maria sehr krank sei.

Wassili Sklarenko war ein selbstbewusster und freiheitsliebender Mann, der vor allem für seine große Familie lebte. Er war einer der bemerkenswertesten Zeitzeugen des Stollenbaus und Dachauer Außenkommandos in Überlingen. (osb)
Südkurier 9. September 2004
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