KZ-Außenkommando:

Eines Tages kam ein gut gekleideter Herr in Zivil zu den Besitzern der Wiese im Gewann „Simmelbrunnen“ , auf der das Lager errichtet werden sollte, und sagte: „Ich komme im Auftrag des Großdeutschen Reichs. Sie werden aufgefordert, Gelände zur Verfügung zu stellen.“ Als die Besitzer erklärten, sie wollten das Grundstück nicht verkaufen, sagte er, es werde dann eben enteignet; sie hätten noch einen Tag Zeit zum Überlegen. Vom Zweck des Geländes ist nicht die Rede gewesen. Die Stadtverwaltung und die Bewohner der Stadt hatten zunächst nichts mit der ganzen Angelegenheit zu tun. Der Bürgermeister erwähnt lediglich, dass das Lager errichtet worden sei. Es traf die Stadt Überlingen auch nur deshalb, weil die Molassefelsen so günstig für die Grabung von Stollen waren.
Sowohl die Stollenanlage als auch die Einrichtung des Lagers wurden als streng geheim zu haltende Anlage behandelt, wie sich denn auch in der Presse keine einzige Erwähnung darüber findet.
Das Lager im Gewann „Simmelbrunnen“ bestand aus drei Wohnbaracken von ca. 10 x 12 m Größe, in denen jeweils bis zu 300 Häftlinge „wohnten“. Jeder erhielt zum Schlafen einen Papiersack mit Spreu. Sanitär- und Küchenbaracke und die Häuschen für die SS- Wachleute lagen etwas weiter abseits. Das Lager war mit Stacheldraht umgeben und mit vier Wachtürmen gesichert.
Am 21.April 1945, wenige Tage bevor die Franzosen Überlingen besetzten, brannte die Feuerwehr das KZ-Lager ab - angeblich wegen der Seuchengefahr durch die völlig verdreckten Gebäude voller Ungeziefer, vielleicht aber auch, um den Makel, den das Lager dem Bild der geruhsamen Kurstadt beizufügen drohte, auszulöschen, oder um vor den heranrückenden Franzosen zu verbergen, wie die SS mit den Häftlingen umgegangen war.