Der Überlinger Stollen im Internet

Kurzinfo zum Stollen

Nach der Bombardierung der Friedrichshafener Industrieunternehmen, die im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter herstellten (Luftschiffbau Zeppelin, Maybach, Dornier und Zahnradfabrik), sollten diese unterirdisch "bombensicher" verlagert werden. Für diesen Zweck kamen rund 800 Häftlinge aus dem KZ Dachau. Sie hatten Gänge, also Stollen, aus dem Felsen zu sprengen und das Gestein abzutransportieren. Den Aushub aus dem Berg schütteten sie in den Bodensee; auf ihm wurde später der Überlinger Campingplatz errichtet. Mindestens 180 Häftlinge überlebten Haft und Arbeitsbedingungen nicht. 97 von ihnen sind auf dem KZ-Friedhof Birnau begraben.

Es starben aber auch Häftlinge an den im Überlinger Lager erlittenen Strapazen, nachdem sie in andere Lager abgeschoben ("verschubt") worden sind. Man kann daher mit einigem Recht annehmen, dass die Zahl der Toten 200 übersteigt.

Die unterirdische Anlage selbst wurde für die Rüstungsproduktion nie genutzt. Der größte Teil des Stollens ist heute weiterhin zugänglich. Etwa 3,6 km sind noch begehbar, 2,5 km mit dem Pkw und 1,5 km mit Lkw befahrbar. Zugänglich ist die Anlage über einen in den 60-er Jahren neu geschaffenen Eingang. Aufgrund des Kriegsfolgegesetzes hat der Bund die Verantwortung für die Anlage übernommen, sie wird daher von der Bundesvermögensverwaltung betreut. Zwischen 1983 und 1989 wurde die Stollenanlage vom Bundesvermögensamt grundlegend saniert, insbesondere durch das Einbringen einer dichten Spritzbetonschicht auf allen Oberflächen.

Heute dient der Stollen teilweise als Bootslager und fast nichts erinnert mehr an die Zeit des Baus des Stollens.

Seit Herbst 1996 gibt es in der Stollenanlage selbst eine schlichte Dokumentationsstätte, die durch den im gleichen Jahr gegründeten Verein

" Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch e.V."
88662 Überlingen
ermöglicht wurde.

Dieser Verein dient dem Zweck, "dem Frieden und der Verständigung zwischen den Menschen und den Völkern zu dienen ..." ( Vereinssatzung)

Finanziert werden die Aktivitäten des Vereins durch die Spenden von Besuchern der Stollenanlage.

Spendenkonto:

Kontonr.: 14 24 50 06
IBAN: DE77 6906 1800 0014 245006
BLZ: 690 618 00
BIC: GENODE61UBE
Bank: Volksbank Überlingen

Besuchsmöglichkeiten in der Nähe:

Gedenkstätten beim Campingplatz / Bahnübergang Westbhf und
                           beim ehem. KZ Üb./Aufkirch am Härlenweg beim Krankenhaus
KZ-Friedhof an der B 31 zwischen Üb und Uhldingen, gegenüber der Birnau
Stadtrundgang mit oder ohne Führung.
Näheres: www.ueberlingen-bodensee.de

Publikation:

Burger, Oswald Der Stollen - Edition Isele Eggingen

Internet Adressen:

www.stollen-ueberlingen.de

Überblick über die Stollenanlage: Luftbild

Luftbild Stollen Überlingen



Beschreibung der Stollenanlage:
Allgemeine Lage:

Unter bebautem Wohngebiet mit meist hangpaarallel verlaufenden Straßen im Westen von Überlingen (Goldbacher Straße, Säntisstraße).

Größe der Anlage:

Breite: ca 2-25m
Höhe: ca 2-10m
Gesamtlänge: 3,6 km (heute zugänglich)

Überdeckung:

ca 10-60m Erdmasse, terrassenförmig ansteigend

Gebirgsverhältnisse:

Obere Meeresmolasse mit Einlagerung von Ton, der Sandstein hat meist ein toniges Bindemittel, außerdem Tonbänder

Zustand 1944/45:

Die rein synthetisch aufgefahrene Anlage - an der Stelle befanden sich vorher keine Höhlen o.ä. - hatte ursprünglich acht Eingänge, zum Teil mit Gleisanschluß, einen Notausstieg im Nordwesten und mehrere Fensteröffnungen. Sie bestand aus drei Längs- und 17 Querstollen von verschiedener Länge, wobei die Kreuzungpunkte zum Teil hallenförmig ausgebaut waren.

heutiger Zustand:

Die Franzosen ließen nach dem Krieg alle Eingänge sprengen. Die Stollenanlage ist heute durch einen neu aufgefahrenen Eingang zugänglich. Im Innern sind nur Teile zugänglich, große Teile sind ebenfalls gesprengt, andere stehen unter Wasser. Die Anlage muss ständig beobachtet und gesichert werden wegen möglicher Gebirgsauflockerungen, Veränderungen durch Wasser, Luft und geologische Abbrüche.

(aus einem bergtechnischen Gutachten von Herrn Ing.-Geologe Egon Wolff vom 17.3.1980)